//noch mal baden gehen//

Ich greife nach dem Wasserglas auf dem Tisch und trinke einen Schluck. Draußen ist es warm und niemand von uns hat Schuhe an. Was soll das auch, es ist Sommer. Das Fenster ist weit geöffnet und die warme Luft unterspült uns. Auf dem Nachbargrundstück versucht jemand einen Rasenmäher zu starten. Es klappt scheinbar nicht, der Nachbar geht laut fluchend wieder ins Haus und fährt wenig später mit seinem Auto davon. Auf der Straße spielen Kinder mit Wasserpistolen und Straßenmalkreide. Lasst sie doch, es ist Sommer.

Der Küchenwecker klingelt und du schaltest den Backofen aus. Ob wir wirklich was Warmes essen wollen, habe ich mich gefragt. Aber du wolltest unbedingt diese Blätterteigdinger machen und ich werde dich sicherlich nicht aufhalten. Und deine Mitbewohner werden das wohl auch schön sein lassen. Wenn du kochst ist das ein bisschen wie Sonntag am Montagnachmittag, weil du es so gut kannst. Mit dem Pfannenwender legst du so ein Blätterteigding auf meinen Teller und ich pieke mit der Gabel vorsichtig hinein. Wohl doch nur heiße Luft. Davon haben wir hier drin eigentlich schon genug. Aber lecker ist es.

Später gehen wir baden, weil ich das gut finde. Wenn wir auch mal unter Leute gehen und nicht nur faul im Garten rumliegen. Und wir kennen die Leute da ja nicht. Also dürfte es für dich eh nicht zählen. Ich ziehe die Sandalen aus und das Kleid und tapse vorsichtig die Strecke vom Handtuchablegeplatz zum Steg. Grundsätzlich sind solche Wege bereitet aus Kieseln und Tannenzapfen. Ich glaube, ich habe doch keine Hornhaut. Das Holz des Steges ist warm und rau. Es knackt vielleicht und der Steg schaukelt leicht. Nur die Harten kommen in den Garten und darum klettere ich die Leiter ins Wasser herunter und dann stoße ich mich ohne zu zögern ab. In diesem Moment erreicht die Fehlermeldung mein Oberbewusstsein. Ich schreie ein bisschen. Aber dann geht es. Direkt neben mir springt ein Kind ins Wasser. Wieso nur immer ich?

Du stehst noch auf dem Steg und grinst. Ich grinse zurück. Ich vermute mal grob, dass du dich nicht traust – rufe ich dir zu. Und dann musst du leider auch ins Wasser.

Irgendwann, es ist schon dunkel, stehen wir auf irgendeinem Balkon auf irgendeiner Party und du schnipst mit Maxi Kronkorken vom Balkongeländer in die Nacht. Aus den Tiefen der Wohnung dringen tiefe Bässe und ich folge den Schallwellen. In dem Raum ist es warm und es riecht nach Schweiß. Menschen tanzen und aus der Ecke strahlt ein Scheinwerfer sie bunt an. Der Boden schwingt, was ich irgendwie gruselig finde. Aber es macht mir auch nichts aus. Miriam nimmt mich an der Hand zieht mich in die Mitte. Sie lacht, sie springt. Wir sind frei, denn es ist Sommer. Das hier ist ein bisschen wie Ekstase. Irgendwann tippt mir jemand auf die Schulter und ich drehe mich um. Da stehst du und du beugst dich zu mir runter. „Wollen wir nicht noch mal baden gehen?“

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