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Kopfsache.Ich liege im Bett und schlafe tief, bis Stimmen in mein Bewusstsein dringen. Wer weckt mich denn jetzt? Ich habe so tief geschlafen, dass es lange dauert bis ich wieder ganz wach bin. So ganz schaffe ich es aber nicht. Ich öffne die Augen und blicke in ein grelles Licht, ich kann nichts sonst sehen. Mir dämmert, dass ich nicht in meinem Bett liege. Ein männliche Stimme drängt sich in den Vordergrund. „Hallo, hallo. Wissen Sie wo sie sind?“ fragt der Mann. Ich weiß es nicht. „Wissen Sie, wie sie heißen?“ Ich weiß es nicht. „Wissen sie welcher Tag heute ist?“, fragt der Mann. „Nein.“ sage ich. Null aus Drei.

Der Mann fragt mich wieder. „Wie heißen Sie?“ Ich sage meinen Namen. „Wissen Sie wo Sie sind?“ „Nein.“ „Wissen Sie, welcher Tag heute ist?“ „Nein.“ Ich sinke wieder zurück in die Dunkelheit.

Irgendwann komme ich wieder zu mir und öffne die Augen. Ich kann mehr erkennen. Ein Mann macht etwas mit seinen Händen an meinem Kopf, ich kann ihn nicht klar sehen und spüre die Berührung nicht. Ein dünner Faden tanzt vor meinen Augen. Er sagt mir, dass man vorsichtshalbe eine Impfung aufgefrischt habe und das man den Ärmel meines Pullovers aufgeschnitten habe, um zu überprüfen welche Verletzungen ich mir dort zugezogen haben könnte.
Kopfsache.Er fragt mich, ob ich alleine da bin. Da wäre ja noch jemand mit mir im Krankenwagen gewesen. Ich habe keine Ahnung was passiert ist. Ich nenne den Namen der Freundin, mit der ich am Nachmittag verabredet war und hoffe, richtig zu liegen. Ich soll Anschrift und Telefonnummer meiner Eltern nennen und auch wenn es ein wenig dauert, ich weiß sie noch. Der Mann geht weg und jemand setzt sich neben mich. Es ist tatsächlich die Freundin, mit der ich für den Nachmittag verabredet war. Ich frage sie was passiert ist. Wir waren zum Skaten verabredet gewesen und dabei ein Stück aus der Stadt heraus gefahren, auf einen Hügel von dem aus man die Stadt gut überblicken kann. Auf dem Weg zurück an die Straße sei ich vorgefahren und auf einmal in hohem Bogen mit dem Kopf voran auf die Straße geknallt. Mein Helm hätte das meiste abbekommen und meine Augen seien noch offen gewesen. Ein Ehepaar hätte mit dem Auto gehalten und ihr ein Handtuch für meinen Kopf gegeben, aus einer Platzwunde hätte ich stark geblutet. Dann hätte sie einen Krankenwagen gerufen und sie hätte für eine Weile warten müssen, während ich untersucht wurde.     Kopfsache.

Jemand kommt, vielleicht ein Pfleger, und ich werde in einem Krankenbett geschoben, ich kann immer noch nicht klar sehen. Wir kommen auf der Station an und langsam klärt sich das Bild. Meine Kleidung ist voll Blut. Meine Haare auch. Ich bin müde. Wir überlegen, wer ein Auto hat und meine Freundin und mein Brett und den Helm zu mir nach Hause fahren kann. Ich sage meiner Mitbewohnerin bescheid, sie soll helfen meine Sachen zu packen. Langsam erinnere ich mich wieder an den Vormittag und den Nachmittag, auch wie wir auf dem Hügel standen fällt mir wieder ein. Wie ich auf mein Brett steige und langsam den Hügel herunterrolle. Dann nichts mehr. Vielleicht nie mehr. Diagnose Schutzamnesie. Ich lebe noch. Der Helm nicht mehr.

Heute vor einem Jahr…

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